30.04.2009 Stellungnahme zum Schließungsszenario der EP Elsterberg GmbH & Co. KG

In den letzten vier Wochen war durch den Betriebsrat des ENKA-Werkes Elsterberg der BR Consultants GmbH der Auftrag erteilt worden, das Konzept der Arbeitgeberseite zu prüfen. In diesem Zusammenhang sei untersucht und gewichtet worden, ob das Unternehmen wirtschaftlich ist oder nicht, ob der Standort wie dieser hier tatsächlich zu schließen sei oder ob es Alternativen gibt.

Im Ergebnis referierte dazu eingangs Alexander H. Lottis, vertretungsberechtigter Gesellschafter von der BR Consultants GmbH vor der Belegschaft, die eigens für diese wichtige Informationsveranstaltung in den Speisesaal der ENKA gerufen worden war. Wie in besseren Zeiten strömten gestern vor 13 Uhr die Betriebsangehörigen in das Werk, das die meisten wegen der bereits eingestellten Produktion schon eine Zeit lang nicht mehr von innen sahen. Im großen Speisesaal reichten dann auch kaum noch die Plätze aus.

Betriebsratsvorsitzender Klaus Wirth begrüßte alle Anwesenden und dankte der Beratergruppe, deren Ergebnisse ihm vorab bereits bekannt waren, sowie die anwesenden Vertreter einer Anwaltskanzlei, die den Betriebsrat in den wichtigen Fragen zur Werksschließung vertritt. Geschäftsführer und Werkleiter Christian Bartsch war nicht anwesend, sondern zu einer Beratung in Wuppertal, ließ Wirth wissen.

Alexander Lottis legte auszugsweise die Ergebnisse der Recherchen offen. Anhand eines Projektionsbildes wies er aus, dass das Unternehmen in den letzten acht Jahren hochprofitabel war. Rechne man alles auf, so seien in allem über 44 Millionen Euro Gewinn vor Steuern erwirtschaftet worden. Dem stünde ein Verlust von 2,1 Millionen gegenüber (Verwunderung im Saal). Lottis ging in diesem Zusammenhang auf Einzelheiten ein. Der Hauptgrund für den Verlust seien die so genannten Quersubventionierungen gewesen. So flossen in den letzten drei Jahren von Elsterberg 15,415 Millionen Euro nach Obernburg (4,584 Millionen Euro), nach ICI (4,331 Millionen Euro) und nach der ENKA GmbH in Wuppertal (6,5 Millionen Euro). Denkbar und kostengünstiger wäre zum Beispiel, die Standorte in Obernburg und in Elsterberg zu erhalten, indem man das Produktionsvolumen teilt. Auf diesem Weg glauben die Berater der Betriebsräte einen Weg gefunden zu haben, über die Teilung der Absatzmenge den Standort hier zu erhalten (langer Beifall im Saal). Lottis zog das Fazit, dass nach den bisherigen gründlichen Betrachtungen der Schließungsbeschluss falsch sei. Er sei auch falsch für den Rest der ENKA-Gruppe. Die Beratergruppe glaubt fest daran, dass es damit eine belastbare Alternative gibt, beide Standorte heute und morgen zu erhalten.

Lottis riet, nicht die Werke in Obernburg bzw. Elsterberg gegeneinander auszuspielen. Er wies darauf hin, dass das Werk derzeit noch nicht als geschlossen zu betrachten ist, sondern es habe lediglich die Produktion eingestellt. Dann wurden auch Modalitäten von möglichen Kündigungen und von erhofften Abfindungen diskutiert. Als Abfindungshöhe wurde schon im Vorfeld für Elsterberg eine Summe von 2 Millionen Euro von den ENKA-Geschäftsführern genannt. Lottis wies aber darauf hin, dass diese Summe für Elsterberg viel zu gering sei und rechnete der Belegschaft vor, dass eigentlich mindestens 12 Millionen Euro an Abfindungsgeldern nach den heutigen gesetzlichen Regelungen notwendig wären. Damit wäre dann die Behauptung der ENKA-Geschäftsführer widerlegt, dass eine Schließung des Standortes Elsterberg billiger wäre.

Auch die Vertreter der Anwaltskanzlei aus Düsseldorf kamen dann zu Wort und etliche Betriebsangehörige. Letztere hinterfragten das Gesagte bzw. Nichtausgesprochene. Klaus Wirth erinnerte zum Schluss an die bevorstehende Demo und Kundgebung am 1. Mai in Plauen und in Elsterberg, zu der die Betriebsangehörigen geschlossen ihre Forderung zum Ausdruck bringen sollten, baldigst wieder in der ENKA produzieren zu können.