Deutsche Börse mit Betriebsrat einig
Der Vorstand der Deutschen Börse und der Betriebsrat haben sich nach langem Streit auf einen sozialverträglichen Stellenabbau geeinigt. Damit entfallen für die Frankfurter Mitarbeiter betriebsbedingte Kündigungen.
Aus dem Unternehmen wurde am Freitagabend bekannt, dass 160 Stellen mit Hilfe von Vorruhestandsregelungen und Abfindungen angebaut werden sollen. "Das ist eine vernünftige Lösung zum Nutzen von Unternehmen und Mitarbeitern", sagte ein Sprecher der Börse. Auch der Betriebsrat begrüßte die Einigung.
Damit endet ein erbitterter Streit, der im September 2007 mit der Ankündigung eines Effizienzprogramms von Finanzvorstand Thomas Eichelmann begonnen hatte. Das Unternehmen erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn, entsprechend erbost reagierten die Betriebsräte und Teile der Belegschaft auf das Ansinnen des Finanzvorstands notfalls auch betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen. Insgesamt sollen 300 Stellen bis 2009 in Frankfurt und Luxemburg entfallen, parallel dazu sollen 200 neue am Standort Prag aufgebaut werden. Für die anvisierten 240 Stellen, die bei der Luxemburger Tochter Clearstream wegfallen sollen, gibt es bisher noch keine Einigung mit den dortigen Arbeitnehmervertretern.
Mehr Gehalt und eine Umzugsprämie
Weiter verständigten sich die Betriebsräte mit dem Management auf eine Umzugsprämie von 3000 Euro pro festangestellten Mitarbeiter. Das Unternehmen hatte Anfang Januar angekündigte, ab Sommer von Frankfurt-Hausen nach Eschborn umzuziehen. Die Stadt im Umland von Frankfurt verlangt wesentlich weniger Gewerbesteuer, die Börse senkt ihre Steuerquote durch den Umzug von 36 auf 29 Prozent und spart dadurch jährlich rund 50 Mio. Euro. Bis 2010 soll in Eschborn ein neues Gebäude für den Handelsplatzbetreiber errichtet werden, jedoch ziehen bereits im Sommer die ersten Mitarbeiter - darunter auch der Vorstand - in ein Übergangsquartier. Die Entscheidung, die den Aktienkurs positiv beeinflusste, brachte dem Börsenmanagement jedoch auch heftige Kritik von lokalen Politikern ein. Sie bemängelten, dass das Unternehmen zwar die Vorteile von Frankfurt, wie Infrastruktur und Kultureinrichtungen, nutzten, aber dafür nicht zu zahlen bereit seien.
Schließlich einigten sich Betriebsrat und Börsen-Management noch auf einen neuen Tarifabschluss für die Angestellten des Unternehmens. Rückwirkend zum 1. Januar erhalten sie in diesem Jahr vier Prozent mehr Gehalt sowie 100 Euro in Bar pro Mitarbeiter, hieß es aus dem Unternehmen. Im kommenden Jahr steige das Gehalt um weitere 3,2 Prozent plus 250 Euro in Bar.
Mit der Einigung dürften auch die Auseinandersetzungen vor dem Frankfurter Arbeitsgericht zwischen Betriebsrat und Börsen-Management enden. Seit Jahresbeginn hatten die Betriebsräte keinen Neuverträgen oder Verlängerungen von alten Verträgen mehr zugestimmt. Das brachte das Unternehmen in Zugzwang. Wie bei Technologiekonzernen üblich, arbeitet das Unternehmen mit vielen externen Mitarbeitern, deren Verträge nur kurze Laufzeiten haben und teilweise halbjährlich verlängert werden müssen.
von Ute Göggelmann (Frankfurt)
© 2008 Financial Times Deutschland
