Trendwende geschafft - Finanzdienstleister Wüstenrot & Württembergische erfolgreicher als geplant
Der Finanzdienstleister Wüstenrot & Württembergische (W&W/Stuttgart) ist im ersten Jahr seiner Neuausrichtung erheblich weiter gekommen, als er zunächst selbst prognostizierte.
Stuttgart. Nachdem die Versicherungs- und Bauspargruppe Wüstenrot & Württembergische im vergangenen Jahr die Ergebniswende geschafft und ihre Strukturen gestrafft hat, konzentriert sie sich jetzt wieder auf stärkeres Wachstum. Das kündigte Vorstandsvorsitzender Dr. Alexander Erdland in Stuttgart an.
"Überall im Konzern wird Geld verdient", freute sich Erdland. So kletterte der Konzernüberschuss nach Steuern um annähernd 500 Prozent auf rund 210 Mio. EUR. Darin enthalten sind außerordentliche Erträge aus dem Verkauf der niederländischen Tochter Erasmus, aus der Auflösung von Rückstellungen und Abschreibungen von insgesamt rund 64 Mio. EUR. Ohne diese Sondereffekte errechnet der Finanzdienstleister eine operativ erwirtschaftete Eigenkapitalrendite von 6,1 Prozent. Geplant waren 5,3 Prozent. Für Erdland ist dies das Signal, das Ziel für 2008 neu zu justieren und eine Rendite von 6,7 Prozent vorzugeben, bevor 2009 dann 9 Prozent erreicht werden sollen.
Das "Über-Soll" wurde durch mehr Geschäft und durch einen schneller als vorgesehen erzielten Personalabbau erreicht. 1400 der angekündigten 1750 Arbeitsplätze auf der Streichliste der Finanzgruppe, die bis Ende des Jahres abgearbeitet werden sollte, wurden bereits gestrichen - "ohne betriebsbedingte Kündigungen". Insgesamt sind bei W&W derzeit rund 10 000 Mitarbeiter im Innendienst und 6000 im Außendienst beschäftigt. Der Vertrieb soll weiter aufgestockt werden. So will die Bausparkasse bis Ende des Jahrzehnts 400 und die Württembergische 250 neue Außendienst-Mitarbeiter einstellen. Außerdem wird das Maklergeschäft ausgebaut.
Erdland ließ aber auch keinen Zweifel daran, dass die Strukturen weiter verschlankt und die Effizienz erhöht werden muss, um Kostennachteile gegenüber der Konkurrenz wett zu machen. Dazu gehört beispielsweise die Ausgliederung interner Dienstleistungsbereiche in eine Service GmbH, wovon 400 bis 600 Mitarbeiter betroffen sein werden. Der W&W-Chef bezifferte das Einsparpotenzial aus dieser Maßnahme bis Ende 2010 auf zusammen rund 35 Mio. EUR.
Mit einem neuen Markenauftritt will sich der Finanzdienstleister künftig als Vorsorge-Spezialist etablieren und gleichzeitig ein einheitliches Erscheinungsbild für seine beiden eingeführten Markennamen bieten. Einzeln seien Wüstenrot als Bausparkasse und Württembergische als Versicherungskonzern breiten Bevölkerungsschichten bekannt, betonte Erdland. Jetzt wolle man deutlich die "Einzigartigkeit" der Firmengruppe und ihr Komplettangebot in Sachen Vorsorge herausstellen. Dies soll dazu führen, dass der W&W-Außendienst den rund 6 Mio. Kunden noch stärker als bislang alle Produkte der Gruppe näher bringen soll.
2007 waren die Vertriebsaktivitäten erfolgreicher als in den Jahren zuvor. 400 000 Kunden wurden neu hinzu gewonnen. Die Bausparkasse wächst "gegen den Branchentrend" und hat nach Erdlands Angaben ihre Stellung als Nummer drei unter den privaten deutschen Bausparkassen mit einem Neugeschäftsplus von brutto 1,5 Prozent auf 8,1 Mrd. EUR gegen den Branchentrend "erstmals wieder" gefestigt. Und: Sie hat nach einem dicken Verlust im Jahr 2006 von 21 Mio. EUR mit 59 Mio. EUR wieder ordentlich verdient.
In der Lebensversicherung zählt sich die Württembergische mit einem Neugeschäft von 4,8 Mrd. EUR zu den fünf größten Anbietern in Deutschland. Und bei Personen- und Sachversicherungen rechnet sich W&W mit 733 Mio. EUR an Neubeiträgen zu den Top Ten. Erdland bestätigte, dass Tschechien das einzige strategische Auslandsgeschäft sein werde.
Siegfried Bauer
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