28.11.2007 Stuttgarter Zeitung online

W&W bündelt Servicebereich in eigener Gesellschaft

GmbH soll Anfang 2008 starten - Konzern will 35 Millionen Euro einsparen - Mehr als 440 Vollzeitstellen betroffen

STUTTGART. Der Finanzkonzern Wüstenrot & Württembergische will Serviceaufgaben in einer eigenständigen Gesellschaft ausgliedern. Dadurch sollen die Kosten deutlich gesenkt werden, was auch mit einem anderen Tarifvertrag erreicht werden soll.

Der Stuttgarter Finanzdienstleister Wüstenrot & Württembergische (W & W) bündelt die Serviceaufgaben der einzelnen Konzerngesellschaften und gründet dafür eine GmbH. Die neue Service GmbH soll im Januar kommenden Jahres schrittweise den Geschäftsbetrieb aufnehmen. Bis Ende 2009 werden mehr als 440 Vollzeitstellen dort angesiedelt sein.

"Die Service GmbH ist ein überfälliger Schritt, um die Kosten im Konzern zu senken und damit die Wettbewerbsfähigkeit für mehr Wachstum zu verbessern", sagte der Vorstandsvorsitzende der W & W, Alexander Erdland im Gespräch mit der Stuttgarter Zeitung. Die Einsparungen beziffert der Konzern auf mehr als zehn Millionen Euro im Jahr; sie sollen sich bis Ende 2010 auf 35 Millionen Euro summieren. Zurzeit gibt der W-&-W-Konzern für die entsprechenden Aufgaben knapp 200 Millionen Euro aus. Die Hälfte des Einsparpotenzials sind nach Konzernangaben bereits durch die laufenden Kostensenkungsmaßnahmen abgedeckt. Nach Erdlands Worten werden weitere Einsparungen durch die Zusammenfassung von Aufgaben erreicht und durch eine andere Gehaltsstruktur in der neuen GmbH.

In der Service GmbH sollen zunächst nur Aufgaben gebündelt werden, die nicht direkt zum operativen Geschäft zählen und bisher an den drei Standorten Stuttgart (Württembergische), Ludwigsburg (Wüstenrot) und Karlsruhe (Karlsruher Versicherung) getrennt erledigt werden. Wo die einzelnen Aufgaben künftig angesiedelt sind, ist noch nicht geklärt. Zu diesen Aufgaben zählt das Unternehmen Einkauf und Versorgung, Konzerngastronomie, Botendienste und Veranstaltungsmanagement. Geprüft wird im Augenblick noch, ob Personal- und Rechnungswesen einbezogen werden. Auf jeden Fall werden in die neue GmbH auch Bereiche aufgenommen, die dem operativen Geschäft zumindest nahe stehen, wie die Erfassung von Anträgen oder die Entwicklung und Pflege von Formularen. Dies lässt darauf schließen, dass in den kommenden Jahren noch weitere Unternehmensbereiche in die GmbH übergehen könnten. Eine Ausgliederung operativer Bereiche, wie etwa das Bearbeiten von Kreditanträgen, sei bis jetzt nicht geplant, sagte Erdland, aber durchaus vorstellbar: "Wir schließen das für den weiteren Prozess nicht aus."

"Für eine eigene Kreditfabrik fehlen bei den W-&-WGesellschaften noch die Voraussetzungen", ergänzte dazu Jan Martin Wicke, der im September in den W-&-W-Vorstand berufen wurde und dort Edmund Schwake ersetzt, der Ende Juni überraschend ausgeschieden war. Vorbild für eine Industrialisierung der Antragsbearbeitung ist das Kreditwerk der Bausparkasse Schwäbisch Hall, das Erdland, der jahrelang dort an der Spitze stand, gegründet hatte. Im Kreditwerk und in der Schwäbisch Hall Facility Management GmbH sind heute weitaus mehr Mitarbeiter beschäftigt als bei dem Mutterunternehmen, der Bausparkasse Schwäbisch Hall.

Offen ist bei der neuen Service GmbH noch, ob der Übertritt der W-&-W-Mitarbeiter durch einen Tarifvertrag oder lediglich mit Hilfe einer Betriebsvereinbarung geregelt wird.

Von Sigrid Stoss
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